Aus dem Tagebuch des Wanderführers “Unvergessliche Tage in Belgien” Tag 2

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Tag 2 – Dienstag, 27. März 2018

Aus der Traum! Der Regen prasselt an die beschlagenen Scheiben und der Wetterbericht macht keine Hoffnung auf Besserung. Nach dem Frühstück fahre ich nach Nassogne. Eine tolle Gegend! Wenn man sie doch nur durch den Regen besser sehen könnte. Die zweite Kleidergarnitur kommt zum Einsatz und ich laufe durch den dichten Nadelwald. Ich will ins Quellgebiet der Diglette und tatsächlich komme ich ständig aufwärts gehend dort Stunden später an. Durch den Regen hat der kleine Bach gefühlte tausend Quellen und ich trotte  abwärts zum Naturkundemuseum. Dort ist nichts los. Immerhin, die Toilette ist geöffnet und ich ziehe mich für ein paar Minuten auf dieses kalte aber trockene „Örtchen“ zurück. Als ich mich wieder dem Regen und dem Wind entgegen stemme merke ich das Fehlen eines Handschuhs. Nach kurzem Überlegen wird mir klar, dass er jetzt irgendwo im Quellgebiet der Diglette verrottet. Noch mal den Weg zurück, also hoch? „Auf keinen Fall“, sagt eine Stimme in mir, denn in der Zeit könnte ich schon wieder am Auto in Nassogne sein. Also los! Mit dem Wind um die Wette heulend stapfe ich durch den matschigen Wald. Ein Pferd läuft vor mir über den Weg und zieht einen Holzstamm hinter sich her. Ein Pferd? Hier? Bin ich trotz des Regens dehydriert? Nein, das Ardenner Kaltblut ist Realität und kurz freue ich mich über die „nachhaltige Waldwirtschaft“. Von dem Pferd allerdings können die Spurrinnen auf dem Weg nicht sein, in denen sich 20 Zentimeter hoch das Wasser sammelt. Der Regen prasselt weiter, die ungeschützte Hand ist halb erfroren und ich schalte auf Überlebensmodus. Immerhin, der Wind lässt ein wenig nach und ich stapfe vor mich hin. Einsam ist es hier, denke ich gerade, als hinter mir ein Schnaufen ertönt. Erschrocken drehe ich mich um und sehe einen vollkommen mit Lehm überzogenen Belgier auf einem Rennrad(!), der mir fast bis zur Radnabe in den Spurrinnen versinkend ein fröhliches „Bonjour“ zuruft. Die spinnen, die Belgier! Am frühen Nachmittag erreiche ich Nassogne. Jetzt schnell nach La Roche und duschen, essen, schlafen…Du Pussy“, meldet sich eine Stimme. „Du wolltest doch heute noch eine zweite Strecke vorwandern! Schon vergessen?“ „Aber es ist saukalt, es regnet und der Wind bläst immer noch“ maule ich zurück, höre aber als Antwort nur in einer Endlosschleife „Wanderführer oder Pussy?“ Also fahre ich noch ins Tal der Amblève und laufe am glitschigen Ufer des Ninglinspo (der Bach heißt wirklich so) aufwärts. Sanft rauscht das Wasser durch das Bachbett und über den Pfad und ich denke ans Umkehren. „Wanderführer oder Pussy?“ sagt die Stimme schon wieder und ich schlittere noch ein paar Kilometer aufwärts. Die Strecke kenne ich noch von den Sondierungswanderungen im letzten Jahr. Als das Gehen auf den rutschigen Steinen immer gefährlicher wird und die Dämmerung sich ankündigt entscheide ich mich für den Rückzug. „Wanderführer oder Pussy?“ höre ich schon wieder die Stimme fragen. „Halt die Klappe“ denkt die Pussy und fährt zurück nach La Roche. Jetzt schnell die Klamotten über die Heizung hängen (mittlerweile gleicht das Zimmer einer nebeligen Tropfsteinhöhle), die trockenen Sachen an und nach kurzem Sprint durch den Regen zum Sportgeschäft in der Fußgängerzone. Kurz vor Ladenschluss ergattere ich noch ein paar schwarze Neoprenhandschuhe, esse eine Winzigkeit und bin kurze Zeit später in meinem Bett. Morgen soll das Wetter etwas besser werden, denke ich beim Einschlafen und freue mich schon ein bisschen auf die Tour im Moor bei Spa…

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